Mittwoch, 16. September 2009

Bei Nelly Furtados "Mi Plan" bleibt alles anders

Statt Folklore oder Hip-Hop nun also Latin: Wer beim neuen Album von Nelly Furtado nur noch Spanisch versteht, hat also richtig gehört. Auf "Mi Plan" singt die Popsängerin mit portugiesischen Wurzeln erstmals alle Songs in spanischer Sprache - und klingt dabei doch wie immer.
Dass sich Nelly Furtado mit jedem Album neu erfindet, wird oft behauptet, ist aber maßlos übertrieben. Egal ob die kanadische Popsängerin mit portugiesischen Wurzeln ihre musikalische Kreativität über Folklore, Hip-Hop, Reggae oder Latin auslebt, das Ergebnis bleibt doch immer gleich: Ein Popsong von Nelly Furtado klingt wie ein Popsong von Nelly Furtado – leicht, rhythmisch, eingängig. Das gilt auch für ihr aktuelles und viertes Album „Mi Plan“ (Universal), auf dem die 30-Jährige erstmals alle Lieder auf Spanisch singt. Und das nicht immer allein: Sechs der elf Lieder auf diesem Album hat Furtado mit mehr oder weniger bekannten Latin-Popstars aufgenommen.
Sommerhits für den Herbst
Wohin die musikalische Reise nach ihrem Hip-Hop-Welterfolg mit "Loos" im Jahr 2006 geht, zeigt gleich das erste Lied an. „Manos Al Aire“ verströmt mit beschwingten Melodien nunmehr seit Juli unwiderstehlich gute Laune über das Radio. Streng genommen, kommt das Album aber nun zwei Monate zu spät. Denn während sich der Herbst bei uns breit macht, legt Nelly Furtado mit dem zweiten Lied „Más“ einen weiteren honigsüßen, gut tanzbaren Sommerhit vor. Auch der Song „Bajo Otra Luz“ hat das Potenzial dazu. Klebrige Zuckerkristalle bilden sich allein beim Lambada „Vacación“.
Der Rest des Albums ist solide Furtado-Liedkunst mit viel Gitarrenklängen und einigen Cello-Untermalungen. Nur manchmal verlaufen sich schräge Synthesizerfrequenzen wie Rocker in einem Tangoschuppen. Aber selbst die hartgesottensten Jungs dürften bei der Ballade „Silencio“ genauer hinhören – auch wenn die emotionalen Gewässer seicht bleiben.
Nelly Furtado hat mal in einem Zeitungsinterview ihre Musik als einen alten Freund beschrieben „der keine Fragen stellt“. Es soll jedoch Menschen geben, die Musik ohne Rätsel seltsam unbefriedigt lässt.
Text: Nikolaos G e o r g a k i s
Bilder: Universal

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