Mittwoch, 11. März 2009

Kom, geh weg

Kennen Sie den Ausspruch? "Komm, geh mir weg!" Ehrlich gesagt, den Satz habe ich nie verstanden. Soll der Adressat dieser sich selbst widersprechenden Aufforderung nun kommen oder gehen? Oder soll er es ganz bleiben lassen?

Ähnlich verhält es sich mit Buchempfehlungen. Neulich wurde mir ein 600seitiges Werk ans Herz gelegt, weil es sich angeblich "so gut weglesen" lässt. Weglesen? Normalerweise legt der geübte Leser nur die Bücher weg, die ihm nicht gefallen wollen. Denkste. Ein Internetbuchhändler preist seine Ware gar unter der Überschrift an: "Bücher zum Weglesen und Wegträumen."

Ich will mich aber nicht wegträumen, ich will mich hineinlesen, will mich hineinträumen. Bücher, die zum Weglesen sein sollen, lassen mich innerlich schon weglaufen - und zwar noch bevor ich die Buchdeckel geöffnet habe. Hingucker sind einem doch auch lieber als Weggucker. Oder hat Ihnen schon mal jemand eine Jacke mit den Worten empfohlen: "Ist ein richtiger Weggucker!"

So, genug der Wortklauberei und danke fürs Hinlesen an dieser Stelle.

Text: Nikolaos G e o r g a k i s
Erschienen in der Neuen Ruhr/Rhein Zeitung (NRZ)

Keine Kommentare: