Sonntag, 23. November 2008

Donna Milners kleine Milchfarm - oder: Cry me a River

Es passiert eine Katastrophe. Und zwar eine, die im 416 Seiten dicken Debütroman "River" der Kanadierin Donna Milner bereits in den ersten Seiten angekündet wird – und danach, damit der Leser es auch nicht vergisst, gefühlte vierhundert weitere Male. Gleich am Anfang also heißt es: "Mom hatte ihn erwartet. Was sie nicht erwartet hatte, war all das Leid, das wie ein kalter Wind folgen sollte."

Viel zu dick aufgetragen

Sie hat River erwartet, einen US-Studenten, der in die Provinz Kanadas flüchtet, um nicht in den Vietnamkrieg ziehen zu müssen. Dieser Junge mit der Hippie-Mähne wird als stilles, verständnisvolles, stets hilfsbereites Bächlein vorgestellt, das nicht zum reißenden Fluss wird – soviel darf verraten werden. River ist aber der (Mit-)Auslöser einer Tragiklawine, die all die Unsere-kleine-Milchfarm-Idylle unter sich begräbt, die die Autorin 250 Seiten lang mit viel zu dick aufgetragenen Farben ausmalt.

Danach ist nichts mehr, wie es war, aber deutlich lesbar.

Text: Nikolaos Georgakis,
erschienen in der Neuen Ruhr / Neuen Rhein Zeitung (NRZ)
vom 1. November 2008

Cover: Piper Verlag

Donna Milner: River. Roman. Piper, 416 S., 19,90 Euro

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