Samstag, 13. Oktober 2001

Griechenland auf der Frankfurter Buchmesse 2001

Ein Anfang ist gemacht
Griechenland, das Schwerpunktthema auf der Frankfurter Buchmesse

Buchstäblich bis zur letzten Minute hat Griechenland an seinem Image für die 53. Internationale Buchmesse gearbeitet. Im neu errichteten Forum, in dem sich das Mittelmeerland mit einer beeindruckenden Ausstellung in einer Mischung aus Kunst, Literatur und Musik den Besuchern präsentiert, wurde am Mittwoch, dem ersten Messetag, noch immer gebohrt und gehämmert. Neben antiker Technologie wird viel moderne Kunst über und um das Buch gezeigt. Videoinstallationen flimmern, Musik von Xenakis bis Theodorakis erklingt aus versteckten Lautsprechern, Computermäuse klicken. In den fünf Tagen soll alles perfekt erscheinen: Griechenland ist diesmal Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse.

Gleichwohl, die „Neuen Wege nach Ithaka“, so das Motto, unter dem sich das literarische Griechenland in Frankfurt präsentiert, sind nicht leicht begehbar. Der griechische Staatspräsident Konstantinos Stephanopoulos und der griechische Minister für Kultur Evangelos Venizelos betonten unabhängig voneinander die Probleme, die sich aus der griechischen Sprache ergeben. Griechisch gehört zwar weltweit zu den ältesten Sprachen, wird aber nur von wenigen Menschen gesprochen. Das bisher eher geringe Interesse an griechischer Literatur lässt sich aber auch vor dem Hintergrund der hohen Anzahl an Neuerscheinungen über die griechische Antike dokumentieren. Die Würde der alten Griechen ist für das moderne Hellas längst zur Bürde geworden.

Seit zwei Jahren werden in Griechenland verstärkt die Übersetzungen neugriechischer Literatur gefördert. Löbliche Versuche, wie viele Aussteller versichern. Veronique Briand, Lektorin des angesehenen Verlags „Polis“, moniert, dass sich zu viele griechische Autoren nur auf ihr heimisches Publikum beziehen würden. „Das ist vielleicht das größte Hindernis“, sagt sie und verweist auf die jüngere Schriftstellergeneration in Griechenland, die, wie etwa Soti Triantafillou mit ihrem Roman „Der unterirdische Himmel“, ein internationales Publikum ansprechen können.

Während die Hellenen sehr viel Lyrik rezipieren, haben sich vor allem deutsche Verleger auf die Romanciers aus Griechenland konzentriert. Neben dem viel beachteten Roman von Nikos Themelis „Jenseits von Epirus“, sind die Autoren des in Athen ansässigen Verlags „Kastaniotis“ positiv in Erscheinung getreten. Darunter Ioanna Karystinni, Amanda Michalopoulou, Antonis Sourounis und Alexis Panselinos, der mit seinem Buch „Zaide, oder das Kamel im Schnee“ einen Bildungsroman geschrieben hat.

Über 40 Übersetzungen griechischer Autoren sind in diesem Jahr erschienenen. Fiona Andrikopoulou vom Kastaniotis Verlag ist zuversichtlich, dass es nicht nur bei diesen Ausgaben bleibt: „Diese Buchmesse war für Griechenland so etwas wie ein Anfang.“

TEXT: NIKOLAOS G E O R G A K I S

Erschienen am 11. Oktober 2001, im Darmstädter Echo

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